Stadt · Geschichte

Geschichte

Überblick

Stadtgeschichtlicher Überblick

Die Stadt Heimsheim zählt zu den geschichtsträchtigsten Orten im Enzkreis, zu dem die Stadt seit dem Jahre 1973 gehört. Heimsheim liegt circa 15 Kilometer südöstlich von Pforzheim im Heckengäu, mit Markungsteilen in der Würmbucht. Insgesamt wird die Stadt der Vorlandschaft des Nordschwarzwaldes zugerechnet. Die Markungsfläche beträgt rund 1450 Hektar (1961). Heimsheim liegt auf einer Höhe von 413 m über NN, der niedrigste Punkt der Markung liegt 390 m über NN, der höchste 515 m.

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Heimsheim 1890 1000 Jahre Heimsheim

Anders als bei vielen anderen Orten, finden wir die urkundliche Ersterwähnung Heimsheims nicht in einer Schenkungsurkunde, sondern in einer hochmittelalterlichen Chronik. In ihr wird geschildert, wie sich Ende Januar 965 der kurz zuvor in Rom zum Kaiser gekrönte Otto der Große an der Grenze zwischen Alemannien und Franken im Ort „Heimbodesheim“ mit seinen Söhnen König Otto II. und Erzbischof Wilhelm von Mainz traf. Der Ort muss sehr lange besiedelt gewesen sein, denn auf Heimsheimer Markung fanden sich auch frühgeschichtliche Siedlungsspuren, die bis in die Jungsteinzeit zurückreichen. Bis heute erkennbar sind überdies auf Heimsheimer Markung die Reste einer Römerstraße (Ettlingen – Pforzheim – Cannstatt). Nach dem Sieg der Franken über die Alemannen lag die Siedlung, die schon lange vor der urkundlichen Erstnennung bestanden haben muss, im Würmgau, der von den Grafen von Calw verwaltet wurde. Im Ort angesiedelte Dienstleute der Grafen Calw-Vaihingen bildeten einen Heimsheimer Ortsadel aus, der jedoch im 13. Jahrhundert aus den Quellen verschwindet. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts gehörte Heimsheim zum Besitz der Pfalzgrafen von Tübingen, die die Stadt – als solche wird sie 1295 erstmals genannt – wohl auch gegründet haben. Nach dem Niedergang der Tübinger Pfalzgrafen ging die Stadt in den Besitz mehrerer niederadliger Herren über, zunächst vor allem in den der Herren von Stein zu Steinegg und von Enzberg. Durch Erbgang, Heirat und Verkauf erhielten nach und nach auch weitere Familien Besitz in Heimsheim, darunter in erster Linie die Herren von Gemmingen.

Erneut in das Licht der Geschichte tritt Heimsheim im Zusammenhang mit den Schleglerkriegen. Die Schlegler, benannt nach einem Abzeichen in Form eines Schlegels, widersetzten sich den Grafen von Württemberg und deren wachsenden territorialherrschaftlichen Macht. In Heimsheim wurde eine Versammlung der Schlegler im Jahre 1395 von Graf Eberhard dem Milden überrascht und gefangengesetzt, die Stadt niedergebrannt. Das Ereignis erlangte später durch das Gedicht „Die drei Könige zu Heimsen“ von Ludwig Uhland einige Popularität. Da Heimsheim an der Einflussgrenze zwischen Grafschaft bzw. Herzogtum Württemberg und Markgrafschaft Baden lag, versuchten beide Landesherren, die Herrschaft in der Stadt an sich zu ziehen. Dies gelang letztendlich dem Hause Württemberg, das im Jahre 1510 die volle Gerichtsherrschaft errang und 1687 die badischen Anteile erwarb. Damit war Heimsheim gänzlich in württembergischem Besitz.

Zuvor hatte der 30-jährigen Krieg die Stadt stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Jahre 1634 wurde sie nach 1395 zum zweiten Male niedergebrannt. Nicht nur aus diesem Grund entwickelte sich Heimsheim, anders als etwa die Nachbarstädte Weil der Stadt, Leonberg oder auch Pforzheim, nicht zu besonderer wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Heimsheim lag nicht sehr verkehrsgünstig und wurde von seinen jeweiligen Herren wenig gefördert. Einen gewissen Höhepunkt der Stadtgeschichte bildete die Belehnung des württembergischen Premierministers Friedrich Wilhelm v. Graevenitz mit Stadt und Herrschaft Heimsheim im Jahre 1724. Graevenitz baute Heimsheim zu einer Miniaturresidenz aus, mit dem noch heute bestehenden, mittlerweile als Rathaus (zuvor u.a. auch als Schulgebäude) genutzten Schloss.

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Heimsheim von Osten Grävenitz´sche Schloss

Das eigentliche Wahrzeichen jedoch ist der „Schleglerkasten“, eine Turmburg, von der man lange Zeit annahm, sie habe den oben erwähnten „Schleglerkönigen“ im Jahre 1395 als Zufluchtsort gedient. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelang der Nachweis - zunächst aus den Quellen und dann durch bauhistorische Untersuchungen -, dass diese Turmburg erst Jahrzehnte nach der Gefangennahme der Schlegler erbaut worden war. Der Schleglerkasten überstand nicht nur die Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs, sondern auch mehrere Brände, die die Stadt im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts heimsuchten. Am schlimmsten wurde Heimsheim kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges von Zerstörung betroffen, als am 18. April 1945 alliierte Flugzeuge den Ort, der durch einen letzten verzweifelten Widerstandsversuch der geschlagenen Wehrmacht fast drei Wochen lang in Frontnähe lag, in Schutt und Asche legten. Heimsheim, dessen Stadtkern trotz der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg nach wie vor durch eine enggedrängte Bebauung auf mittelalterlichem Grundriss geprägt war, wurde zu 75 % zerstört, ein für eine südwestdeutsche Kleinstadt überaus hoher Prozentsatz. Zwar fielen diesem Brand auch das Rathaus (und mit ihm die historischen Unterlagen) und die Kirche zum Opfer, doch wieder blieben der Schleglerkasten und das Graevenitzsche Schloss weitgehend unversehrt.

Die bereits vor 1687 württembergischen Anteile an Heimsheim wurden vom Amt Leonberg aus verwaltet. Die dann neu erworbenen Besitzungen jedoch wurden direkt der Rentkammer unterstellt, womit die Steuereinnahmen dem Einfluss der württembergischen Landstände, der sogenannten Landschaft, entzogen waren. Seit 1510 gab es in Heimsheim einen württembergischen (Stabs-) Amtmann. Im Jahre 1725 endete die bis dahin getrennte Verwaltung Heimsheims. Ab 1808 gehörte die Stadt zum neuen Oberamt bzw. zum späteren Landkreis Leonberg bis zu dessen Auflösung. Im Zuge der Kreisreform gelangte Heimsheim, wie erwähnt, 1973 an den Enzkreis mit Sitz in Pforzheim.

Erwähnenswert ist, dass auch auf Heimsheimer Markung, wie in zahlreichen anderen des heutigen Enzkreises, auf herzoglichen Befehl Waldenser, reformierte Glaubensflüchtlinge aus dem Piemont, im Jahre 1699 angesiedelt wurden. Die einheimische Bevölkerung sah dies zunächst äußerst ungern und zwischen Heimsheim und der benachbarten Neugründung Perouse (heute im Kreis Böblingen gelegen) kam es wiederholt zu heftigen Auseinandersetzungen, bis in die 1950er-Jahre hinein. Ähnliche Widerstände gab es gegen den Beschluss der Landesregierung aus dem Jahre 1978, in der Nähe Heimsheims eine Justizvollzugsanstalt zu bauen, die im Jahre 1990 ihren Betrieb aufnahm.

Die erste eindeutig nachzuweisende Kirche am Ort, erbaut gegen Ende des 13. Jahrhundert, war Maria geweiht. Die Kirche war bereits die zweite am Ort, die erste war vermutlich um 1050 erbaut worden. Die Kirchengemeinde Heimsheim gehörte zum Landkapitel Weil der Stadt. Später als in den rein württembergischen Gebieten wurde die Reformation in Heimsheim durchgeführt. Da die Pfarrei in den Händen der v. Gemmingen war, die die neue Religion ablehnten, wurde der Ort erst Jahre nach der allgemeinen Einführung der Reformation in Württemberg - nach wiederholtem Drängen der Heimsheimer Bürger und der weltlichen und geistlichen Obrigkeit – reformiert. Ein Schulmeister wird in Heimsheim erstmals 1456 erwähnt; eine Realschule wurde 1872 endgültig genehmigt, nachdem sie 1862 beantragt worden war. Bis auf den heutigen Tage hat sich Heimsheim durch die Ludwig-Uhland-Schule (Grund-, Haupt- und Realschule) als Schulzentrum für die umliegenden Gemeinden einen guten Ruf erhalten.

Der Fortschritt kam wie für die meisten württembergischen Gemeinden langsam und recht spät; seit 1886 immerhin hatte man eine Fernsprechstelle, ab 1906 eine Wasserversorgung mit Hausanschlüssen, seit 1911 elektrischen Strom. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein trug Heimsheim den Charakter eines Landstädtchens mit deutlicher Betonung der Landwirtschaft als Haupterwerbszweig. Danebenwar der übliche Besatz an Handwerkern vorhanden, wobei die Schreiner offenbar besonders stark vertreten waren. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen erste Industrieansiedlungen an den Ort, die Filialen einer Strumpfwarenfabrik und einer Pforzheimer Bijouteriefabrik. Zudem waren etliche Heimsheimer als Heimarbeiter für die Pforzheimer Schmuckwarenindustrie tätig. In den 1920er Jahren jedoch war die Zahl der Pendler noch recht gering, nämlich 6,6 % der Erwerbstätigen, allerdings hatte sich diese Zahl seit 1910 erhöht, als es noch 3,5 % gewesen waren.

Erst nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges und dem Wiederaufbau der Stadt änderte sich die wirtschaftliche Struktur Heimsheims grundlegend. Nun wurden die Industriebetriebe im Großraum Stuttgart hauptsächliche Arbeitgeberstandorte auch für die Heimsheimer Einwohner, während die Landwirtschaft kontinuierlich zurückging. Heimsheim wurde zu einer Wohngemeinde, jedoch mit nicht geringem Gewerbebesatz. Das Gewerbe profitiert hier von einer Besonderheit: Die Nähe Heimsheims zur Bundesautobahn, die schon als Reichsautobahn in den 1930er-Jahren begonnen worden war und über Heimsheimer Markung führt, mit einer eigenen Ausfahrt. In gewissem Sinne bietet diese bequeme Anbindung an die, wenn auch im Bereich Heimsheim zumeist verstopfte, Verkehrsader einen Ersatz für den Anschluss an die Bahn, den Heimsheim nie erhalten hat.

Insgesamt war der Wiederaufbau von Heimsheim nach den Kriegszerstörungen 1945 eine ungeheure, zunächst mit äußerst begrenzten materiellen und finanziellen Mitteln durchzuführende Maßnahme, die mit großer Bravour und Energie unter den Nachkriegsbürgermeistern Friedrich Klingel, Hugo Heuscher und vor allem Karl Schuler (1948-1973) erfolgreich zuende geführt wurde. Das völlige Fehlen von städtischen schriftlichen Unterlagen erschwerte die zur Vorbereitung des Wiederaufbaus notwendige Baulandumlegung, die zudem zu nicht geringen Widerständen in der Bevölkerung führte. Gleiches galt für die Aufnahme zahlreicher Heimatvertriebener und später von Flüchtlingen aus der damaligen DDR. Allein zwischen September 1949 und März 1951 verdreifachte sich die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge (so der damals offizielle Sprachgebrauch) von 20 auf 61 Personen; im Januar 1963 befanden sich 347, nunmehr als „Vertriebene“ bezeichnete Menschen in Heimsheim, dessen Gesamteinwohnerzahl seit 1949 von 1154 auf 2087 angewachsen war. Trotz der anfänglichen Skepsis gegenüber den Neuankömmlingen trugen diese mit zu dem seit den 1950er-Jahren einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung bei, der sich nicht zuletzt in den zahlreichen Hoch- und Tiefbaumaßnahmen manifestierte, die zusätzlichen Wohnraum schufen und die innerörtliche Infrastruktur verbesserten und den Ort zu einem attraktiven Gewerbestandort machten.

Die Heimsheimer zeigten auch und gerade in schwierigen Zeiten ausgeprägten Bürgersinn und Geschichtsbewusstsein. Im Jahre 1956 etwa wurde das „Kuratorium Schleglerschloß“ gegründet, mit dem Ziel, das damals als Lagerraum genutzte Gebäude als historischen Mittelpunkt der Stadt zu restaurieren und zu erhalten und es zugleich zur Heimstatt bürgerlichen Gemeinschaftslebens zu machen. Während des Krieges hatte der Schleglerkasten u.a. als Ausweichlokal für ausgelagerte Archivalien des Hauptstaatsarchivs Stuttgart und als Materiallager für die Düsenjäger-Fertigung im Engelbergtunnel bei Leonberg gedient, wo vor allem KZ-Häftlinge eingesetzt worden waren. Das Kuratorium wurde im Jahre 1982 von der Landesregierung mit der Auszeichnung „Vorbildliche kommunale Bürgeraktion“ geehrt. Und als Anfang der 1970er-Jahre der Plan eines weiteren Flughafens in der Nähe Heimsheims (Projekt „Großflughafen Mönsheim“) bekannt wurde, zeigte sich erneut heimatverbundener Bürgersinn, als sich zahlreiche Heimsheimer aktiv gegen den geplanten Bau engagierten.

So verbanden und verbinden sich in Heimsheim seit jeher wacher und wehrhafter Bürgersinn mit großer Leistungsbereitschaft, wirtschaftlichem Erfolg und politischem Engagement. Das stets vorhandene Interesse an der Geschichte der Stadt möge durch das nunmehr geordnete und verzeichnete Archiv weiter wach gehalten werden. Gerade der Verlust sämtlicher städtischer Unterlagen von vor 1945 führt sicher dazu, dass der Geschichte Heimsheim seit 1945, die in vielerlei Hinsicht eine Erfolgsgeschichte ist, in Zukunft vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt werden wird.

 
 
 
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