Freizeit · Kultur in Heimsheim · Zehntscheune

 

Die Stadt Heimsheim veranstaltet im  besonderen Ambiente des barocken Schlosssaals im Graevenitz’schen Schloss zweimal jährlich – im Frühjahr und im Herbst - anspruchsvolle Konzerte der Alten Musik, der Klassik bis hin zu Grenzgebieten der Kunstmusik.
Der Schwerpunkt liegt auf dem Außergewöhnlichen und selten Gehörtem. Sei es in der Besetzung oder im Repertoire.

Die Schlosskonzerte Heimsheim wollen das kulturelle Leben in der Region mit spannenden Konzertbeiträgen bereichern.

Weitere Informationen können unter  heimsheimer-schlosskonzerte@t-online.de erfragt werden.

Konzert am 22. September 2018 :  Violine, Königin der Musikinstrumente

„Die Königin der Musikinstrumente, das ist in Europa die Orgel. In Russland hat diese Position allerdings die Violine inne.“  So eröffnete der russische Kulturjournalist und Gitarrist Gennady Kuznetsov letzten Samstag im Heimsheimer Schlosssaal den Konzertabend „lebendige Klassik“.

Es folgte ein Parforceritt durch die Geschichte des Instruments. Zu Beginn spielte die in Kasachstan geboren und in Bremen lebende Geigenvirtuosin Anna Markova eine Solopartita von J.S. Bach. Dann ging es mit einer Folia zurück ins 16. Jahrhundert. Eine Folia (zu deutsch „Tollheit“ oder „Wahnsinn“), so erklärte Kuznetsov unterhaltsam und fundiert, ist ein melodisch-harmonisches Satzmodell aus dem Barock, das als Vorlage für Variationskompositionen dient. Allerdings spielte Markova keine komponierte Folia von Corelli oder Lully sondern improvisierte einfühlsam und virtuos ihre eigene Folia, wobei sie von Gennady Kuznetsov auf der Gitarre begleitet wurde.

Danach stellte das Duo dem Publikum ein musikalisches Rätsel mit Heinrich Ignaz Franz Bibers „Katze“. Dem Duo gelang es durch solche Interaktionen mit dem Publikum unterhaltsam Fachwissen über Unterschiede der italienischen und nordeuropäischen Geigenkunst zu vermitteln.

Neben bekannten Werken wie dem Capriccio Nr. 21 des wohl berühmtesten Geigenvirtuosen Niccolo Paganini (1782-1840), das das Heimsheimer Publikum lautstark bejubelte, erklangen eher selten gespielte Werke wie eine Fantasie für Violine ohne Baß von Georg Philipp Telemann oder ein Capriccio des polnischen Geigenvirtuosen Karol Lipiński. Der selbstbewußte Paganini bezeichnete seinerzeit seinen Kollegen Lipiński als den „gegenwärtig zweitbesten Geiger“, als dann aber Markova im Heimsheimer Schlosssaal Lipińskis Capriccio abfeuerte, stellte dieses Paganinis an Virtuosität klar in den Schatten.

Im zweiten Teil des Abends folgte auf das Gedicht „Herbstgefühl“ von Martin Greif (1839-1911):

Wie ferne Tritte hörst du's schallen,
Doch weit umher ist nichts zu sehn,
Als wie die Blätter träumend fallen
Und rauschend mit dem Wind verwehn.

eine einfühlsame Improvisation. Hier zeigt Anna Markova ihre ästhetische  Vielseitigkeit. Nach den klassischen Werken des ersten Teils waren nun Interpretation und Improvisationen über georgische und russische Lieder zu hören.

Nach einer der Tangoetüden aus Astor Piazollas Spätwerk von 1987 improvisierte Markova über Paganinis „Karneval in Venedig“, nachdem Kuznetsov mit dem Publikum zuvor das Thema sang: „Mein Hut der hat drei Ecken …“.

In diesen Momenten wurde die klassische Musik durch Einbeziehung des Publikums wahrhaft lebendig. Das lag nicht zuletzt daran, dass die beiden Künstler ihr gesamtes Programm improvisierten und somit auf die Reaktionen des Publikums eingehen konnten.

Als Zugabe gab es den russischen Klassiker „Dorogoi dlinnoju“ von 1920, besser bekannt als „Those Were the Days“, welchen das Publikum begeistert mitsang. Ein gelungener Konzertabend für alle Beteiligten.

Die Schlosskonzertreihe wird am 23.3.2019 mit dem Duo Bernhard Lörcher (Violoncello) & Friedmann Wuttke (Gitarre) fortgesetzt.
VS



Berichte 2018
24. September 2018 Bericht der Leonberger Kreiszeitung " Ein Ritt durch die Geschichte der Violine"
Sept 18: Konzertbericht "Violine, Königin der Musikinstrumente"
Sept 18: Ankündigung "Violine, Königin der Musikinstrumente"

März 18: Konzertbericht "Más que Dos! Danzas Cantadas – gesungene Tänze"
März 18: Ankündigung "Más que Dos! Danzas Cantadas – gesungene Tänze"

 

Berichte 2017

Okt 17 Konzertbericht “Der Saiten flüstern, Äols Hauch”
Okt 17 LKZ "Die originellen Klangfarben sprechender Musik"

 
 
 
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