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Aktuelles aus dem Rathaus

Informatives zu Gewässerrandstreifen

Auch in Heimsheim ein ökologisches Thema

Gewässer sind in der heutigen Kulturlandschaft zahlreichen Einflüssen und Nutzungsansprüchen ausgesetzt. Siedlungen und landwirtschaftliche Flächen reichen oft bis an die Gewässer heran. Die Flächen entlang von Gewässern jenseits ihrer Böschungen werden Gewässerrandstreifen genannt. Gewässerrandstreifen können deshalb die Funktion eines Puffers übernehmen, der für beide Seiten – Mensch und Gewässer – von Nutzen ist.

In der Klausurtagung 2020 hat sich der Gemeinderat intensiv mit den Gewässern und Gewässerrandstreifen in Heimsheim beschäftigt. Das Wassergesetz Baden-Württemberg (WG) vom 01.01.2014 sowie das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) regeln u.a. die rechtliche Einordnung von Gewässerrandstreifen. Sie enthalten umfassende Nutzungsgebote und Verbote. Gewässerrandstreifen sollen dem Gewässer inner- wie außerorts als Schutzsaum mehr Raum geben. Sie werden ab Oberkante Böschung gemessen und betragen im Außenbereich 10 m und im Innenbereich 5 m (§ 29 WG). Sie dienen der Erhaltung und Verbesserung der ökologischen Funktionen oberirdischer Gewässer, der Wasserspeicherung, der Sicherung des Wasserabflusses sowie Verminderung von Stoffeinträgen aus diffusen Quellen aber auch dem Hochwasserschutz und dem Stadtklima.

Je nach Lage gibt das Wassergesetz unterschiedliche Funktionen für Gewässerrandstreifen vor. Vorrangiges Ziel von Gewässerrandstreifen ist im Außenbereich Schutz vor stofflichen Einträgen und Erosion, Erhaltung und Verbesserung der Ökologie z.B. durch standorttypische Vegetation. Im Innenbereich ist neben der Verbesserung der ökologischen und mikroklimatischen Funktionen, die Sicherung des Wasserabflusses zur Vermeidung bzw. Verminderung von Hochwasserrisiken zu gewährleisten. Der Gewässerradstreifen ist von baulichen Anlagen, Gegenständen frei zu halten. Es ist eine standorttypische, heimische Vegetation herzustellen, um auch innerorts durchgehenden Rückzugsraum für Pflanzen und Tiere zu bieten sowie das Mikroklima zu verbessern. Breitere Gewässerrandstreifen können sogar als Ökokontomaßnahmen im Innenbereich angerechnet werden.

Bedeutung und Auswirkungen des gesetzlichen Gewässerrandstreifens für die Stadt Heimsheim

Die gesetzlichen Ge- und Verbote haben aus Sicht des Gemeinwohls grundsätzlich positive Effekte. Durch die gesetzlichen Regelungen kann die Gewässerökologie, der Hochwasserschutz verbessert werden. Die Gewässer und Gewässerrandstreifen haben einen positiven Effekt auf das Stadtklima und bieten gleichzeitig Lebensräume für Tiere, Freiraum und Aufenthaltsqualität für die Einwohner und Besucher der Stadt. Schließlich wird durch den Gewässerrandstreifen auch die Zugänglichkeit für erforderliche Unterhaltungsarbeiten am Gewässer sichergestellt. Die menschliche Nutzung reicht jedoch vielerorts bis an das Ufer heran, Gewässerrandstreifen werden oft nicht frei gehalten. Dies führt aber auch unweigerlich zu Nutzungs- und Zielkonflikten.

In Heimsheim sind der Kotzen- / Zieselbach, der Hungerbrunnengraben sowie der Heimsheimer See relevante Gewässer. Heimsheim wird durch die Anordnung der Wasserläufe in drei Siedlungsbereiche unterteilt. Dies führt zu einer wertvollen ökologischen Vernetzung und dazu, dass aus drei Richtungen ein Frischluftaustausch möglich ist. Die Abkühlung wird in heißen Sommermonaten gefördert und ist für die zukünftige klimatische Veränderungen ein entscheidender Faktor:

 

Auswirkungen für die Landwirtschaft

Gewässerrandstreifen übernehmen eine wichtige Funktion als Puffer zwischen Gewässer und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Diffuse Spritz- und Düngemitteleinträge werden so vermieden. An Gewässerrandstreifen gilt Umbruchverbot sowie das Verbot von Ackerbau. Die ordnungsgemäße Beweidung von Grünflächen und einbringen von Blühstreifen sind jedoch möglich. Der Verbot von Pestiziden führt zu einem Rückzugsort für viele Insektenarten. Zulässig sind sogenannte Kurzumtriebsplantagen. Hierbei werden schnellwachsende Gehölze bepflanzt und in Intervallen von mehr als 2 Jahren geerntet (z.B. für Energiegewinnung und Biomasse). 

Auswirkungen für den Siedlungsbereich

Die gesetzlichen Regelungen haben erhebliche Auswirkungen. So ist die Errichtung baulicher und sonstiger Anlagen verboten. Hierzu gehören unter anderem Zäune, Sichtschutzanlagen, künstliche Auffüllungen, Hütten, Pools, befestigte oder versiegelte Flächen, Grillstellen. Weiterhin sind Lagerungen von Materialien wie Brennholz, Kompost usw. verboten. Sterile Rasenflächen sowie nicht einheimische und nicht standortgerechte Gehölze sind im Gewässerrandstreifen unzulässig. Heimische und standortgerechte Pflanzungen sind zu erhalten, sofern hiervon keine Hochwassergefahren ausgehen.  

Ankauf von Gewässerrandstreifen durch die Stadt Heimsheim und Vorkaufsrecht

Der Erhalt, Entwicklung und Aufwertung der Gewässer und des Gewässerrandstreifens ist der Stadt Heimsheim sehr wichtig und dient dem Gemeinwohl. Für dieses Ziel ist die Stadt Heimsheim daher bereit, aktiv Gewässerrandstreifen im Innen- wie Außenbereich zu erwerben. Gemäß § 29 Abs. 6 Wassergesetz besteht außerdem ein gesetzliches Vorkaufsrecht für Gewässerrandstreifen. So können Schritt für Schritt die Zielsetzungen des Wassergesetzes und Wasserhaushaltsgesetzes erreicht werden.

Für 2021 ist eine Gewässerschau mit den Fachbehörden vorgesehen, zu dessen Durchführung die Stadt Heimsheim gesetzlich spätestens alle 5 Jahre verpflichtet ist.

geschrieben am 16.12.2020 um 13:17 Uhr.
 
 
 
 
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